Notwendigkeit oder Abzocke?
Der „Tankrabatt“ ist ausgelaufen, die 12-Uhr-Regel immer noch in Kraft und der Otto-Normal-Verbraucher stellt sich die Frage: Warum nimmt Deutschland in der EU bei den Preisen von Kraftstoff einen Spitzenplatz ein? Der Preisvergleich August 2026 für Superbenzin: Deutschland 2,13 €/l, Frankreich 2,07 €/l, Italien 1,99 €/l, Österreich 1,84 €/l und Schweden 1,45 €/l.
Am besten kann dies wieder mit einer Frage beantwortet werden: Wer hat den größten Nutzen aus diesem hohen Preis?
Davon ausgehend stellt sich das konkret in der Preiszusammensetzung für den Monat August 2026 in Deutschland am Beispiel von Superbenzin wie folgt dar (Zahlen gerundet):
Im Einkauf kostet Super 0,67 € /l, zzgl. „sonstige Kosten“ (z.B. Forschung, Vertrieb, Verwaltung, Transport, Kursschwankungen Dollar, etc.) und inkl. Gewinn von insgesamt 0,14 €/l. In Summe ist das ein Nettopreis von 0,81 €/l.
Zu den netto 0,81 €/l kommen die vom Staat erhobenen Abgaben (CO2-Abgabe, der Beitrag an den Erdölbevorratungsverband, Energiesteuer und Treibhausgasquote) von insgesamt 0,98 €/l. Damit ergibt sich ein Nettopreis von 1,79 €/l. Und aufs Ganze noch 19% Mehrwertsteuer – der Verbraucher zahlt derzeit sage und schreibe 2,13 € für einen Liter Superbenzin.
Anhand der Zusammensetzung des Kraftstoffpreises wird schnell klar, dass durch Abgaben und Steuern der Staat am Nettopreis mit 55 % am meisten vom Kraftstoffpreis abschöpft. Von den verbleibenden 45 % profitieren die Ölkonzerne auch mit überdurchschnittlichen Gewinnen, über deren Versteuerung mit 19% der Staat wiederum mitverdient.
Der Vergleich zum Jahr 2022: Damals zahlte der Verbraucher 1,89 €/l für Superbenzin, also 24 Cent weniger, wobei das Rohöl damals wie heute ca. 90 € pro Barrel kostete. Diese Preissteigerungen basieren hauptsächlich auf den gestiegenen Energie-Abgaben und Energie-Steueranteil sowie dem Gewinn der Ölkonzerne – und nicht auf dem USA-Iran-Konflikt.
Ein weiterer Fakt für diese Machenschaften ist, dass Superbenzin z.B. vor 12 Uhr z.B. 2,13 €/l und nach 12 Uhr 2,35 €/l kostet. Das Kartellamt ist aktiv und stellte ca. 5.000 Verstöße gegen die 12-Uhr-Regelung fest und ahndete diese nur mit geringen Bußgeldern. Die eigentliche Aufgabe des Kartellamtes, gegen die vermuteten Preisabsprachen der Mineralölkonzerne vorzugehen – bisher Fehlanzeige. Was ist auch von einer Behörde des Ministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz zu erwarten, wenn doch der Staat direkt und indirekt an den hohen Kraftstoffpreisen Meistverdiener ist?!
Warum der Staat nicht seinen Anteil und über das Kartellamt die Gewinne der Mineralölkonzerne auf das Preisniveau der anderen europäischen Staaten reduziert, kann sich jeder Bürger nun selbst denken.
Jeder weiß, dass Kraftstoffpreise ebenso wie die Preise für Elektroenergie und Wärme als Produktionsfaktoren direkten und indirekten Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes haben, was sich inzwischen auch in Regierungskreise herumgesprochen haben sollte.
Durch diese verfehlte Politik ist die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland auf dem internationalen Markt eingeschränkt und Industrie und Kapital wandern ab.
Und was unternimmt unsere Regierung, um Bürger und Wirtschaft beim Kraftstoff finanziell zu entlasten? Nichts!
Damit unsere Regierung noch Finanz-Geschenke an die ganze Welt verteilen kann ist auch diese Kraftstoff-Politik notwendig und damit eine bewusste Abzocke!
Gera, 30.08.2026
Dr.-Ing. Ulrich Porst