Elektroenergie-Erzeugung – Wie wichtig ist das für Deutschland und Europa?
Vielleicht haben Sie Lust und ein wenig Zeit, dann folgen Sie mit wachem und offenem Verstand meiner Ansicht zum o.g. Thema und bilden Sich ihre eigene Meinung:
1. These: Deutschland als Land kann wirtschaftlich in einer globalen Welt auf Dauer nur bestehen, wenn es mit preiswertigen Energieträgern und in guter Qualität produziert.
Deutschland ist zwar der größte Finanzier der EU aber global gesehen nur ein kleiner Teil der Welt. Überlebensfähig sind Europa und speziell Deutschland nur als starke Wirtschaftsstandorte. Dies gilt auch für die wirtschaftliche Erzeugung von Elektroenergie als wesentliche Voraussetzung für die Industrieproduktion.
Deutschlands klimapolitisch motivierter Alleingang, nur auf erneuerbare Energieträger zu setzen und Kernenergie ganz aus dem Portfolio zu streichen, zeigen bereits negative Auswirkungen auf die gesamte Industrieproduktion.
Ausschlaggebend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes sind marktfähige Preise.
Moralische Ziele und eine Vorreiterrolle in der Klimapolitik müssen sich eine Gesellschaft leisten können. Können wir uns das leisten?
Auf die Lieferung schnell verfügbarer und preisgünstiger Energiequellen zu verzichten und stattdessen auf unwirtschaftlich zu gewinnendes Fracking-Gas zu rückzugreifen schadet eindeutig der Wirtschaft und führt zu höheren finanziellen Belastungen für die Bürger im täglichen Leben. Auch erzwungene EU-weite Wirtschaftssanktionen gegen Energielieferanten sind nicht hilfreich und schaden nur der eigenen Wirtschaft und den Bürgern.
2. These: Energieerzeugung und -vorhaltung aus Sonne und Wind soll in den Größenordnungen erfolgen, die die spezifischen, geografischen Verhältnisse in Mitteleuropa und Deutschland gestatten. Gegenwärtig jedoch ist mit Sonne und Wind als Energieträger die kontinuierliche Versorgung von Bevölkerung und Wirtschaft mit Elektroenergie nicht möglich.
Die erneuerbaren Energieträger Sonne und Wind stehen in Mitteleuropa und Deutschland im Verhältnis zu anderen Regionen der Welt nur bedingt und nicht kontinuierlich zur Verfügung. Diese Tatsache kann dazu führen, dass entweder zu viel Elektroenergie erzeugt wird oder was schlimmer ist, bei hohem Bedarf viel zu wenig Elektroenergie erzeugt werden kann.
Das Speichern erzeugter Elektroenergie aus Sonne und Wind ist nur mit höherem technischem und finanziellem Aufwand möglich, was einerseits die Verteuerung der Elektroenergieerzeugung aus Wind und Sonne bedeutet und andererseits entsteht ohne Speicher ein Überangebot an Elektroenergie, was nur gegen Zuzahlung von Deutschland aus in das europäische Netz eingespeist werden darf. Das wiederum verteuert die Elektroenergieerzeugung aus Sonne und Wind nochmals zusätzlich, wird aber bei der Ermittlung der Gesamtausgaben für die Elektroenergieerzeugung gern vergessen.
Dazu kommen außerdem noch zusätzliche Kosten für den Transport der aus Sonne und Wind erzeugten Elektroenergie vom Erzeugungsort zum Endverbraucher. Dieser Transport erfolgt meist über weite Strecken mit Erdkabel und mit entsprechenden „Begleitstationen“, was ebenfalls einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Netzentgelte hat und auch gern vergessen wird.
Gegenwärtig wird für Mitteleuropa und Deutschland davon ausgegangen, dass durch Sonne und Wind bis zu ca. 40% der Elektroenergie (ohne Überschusserzeugung) in die Netze eingespeist werden können, ohne dass dazu größere zusätzliche Speicheranlagen erforderlich werden.
Energieerzeugungsanlagen aus Sonne und Wind sollten demzufolge sinnvoll nur in einer Größenordnung von bis zu ca. 40% Anteil am Gesamtelektroenergiebedarf vorgehalten werden. Das bedeutet, dass nach wie vor ca. 60% des Elektroenergiebedarfs über fossile Energieträger oder Atomkraft erzeugt werden muss, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Überkapazitäten an Wind – und Solaranlagen verteuern hingegen die gesamte Stromerzeugung.
3. These: Ca. 60% der Elektroenergieversorgung sollten gegenwärtig nach wie vor über herkömmliche Energieträger erzeugt werden.
Bürger und Wirtschaft brauchen eine kontinuierliche Versorgung mit Elektroenergie mit schwankendem Energiebedarf. Da Anlagen für Wind und Sonne dies allein nicht leisten können, müssen auch weiterhin Anlagen für fossile Energieträger oder Atomkraft vorgehalten werden, um die sogenannte Grundlast zu gewährleisten. Ein ständiges An- und Abhalten dieser „Grundlast-Anlagen“ zur Herstellung von Elektroenergie, weil Wind und Sonne als Energieträger nicht kontinuierliche zur Verfügung stehen, sorgt für eine weitere Verteuerung der Elektroenergie für die Verbraucher.
Grundlast-Anlagen zur kontinuierlichen Elektroenergieerzeugung sind neben Atomkraftwerken vor allem Kraftwerke für fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle. Weitere Anlagen wie Biogasanlagen, Wasserkraftanlagen und die thermische Verwertung von Restfällen tragen als Energieträger nur zu einem sehr geringen Teil zur Elektroenergieversorgung bei.
4. These: Neben der Atomkraft sollte die leitungsgebundene Zuführung von Energieträger der zweite Pfeiler für die Erzeugung der ca. 60% des Stromes sein.
Deutschlands Alleingang in der EU und der Welt, auf Atomenergie zu verzichten, erweist sich als großer Nachteil für Wirtschaft und Bürger. Europa und vor allem unsere unmittelbaren Nachbarn setzen so wie der Rest der Welt weiter auf Atomkraftwerke der neueren Generation. Trotz dieser Entwicklung beharrt die deutsche Politik auf dem vollzogenen Atomausstieg, obwohl die Nutzung von Atomenergie aus wirtschaftlicher Sicht unausweichlich ist. Wir beziehen lieber Atomstrom von unseren Nachbarländern zur Stabilisierung unserer Netze und zahlen im Gegenzug Geld, dass unsere EU-Nachbarn zu viel erzeugte und nicht verwendbare Elektroenergie aus Wind und Sonne abnehmen! Welch eine Doppelmoral und Schildbürgertum. Es kann ja auf dem Rücken der Steuerzahler abgewälzt werden!
Neben Atomkraft ist die leitungsgebundene Versorgung mit Gas und Öl als Energieträgern die zweite finanziell günstigste Art der Energieerzeugung. Dazu sollte schnellstens die sabotierte Nord Stream 2 Pipeline in der Ostsee wieder repariert und in Betrieb genommen werden. Es bleibt festzustellen, dass mit der Sprengung dieser neuen Pipeline ein wesentlicher Teil unserer kritischen Infrastruktur zerstört wurde. Anstatt die jetzt feststehenden Täter zu bestrafen, unterstützen wir den vermeintlichen Saboteur.
Inwieweit darüber hinaus noch Kohle als Energieträger für die Stromerzeugung erforderlich wäre, um den Standtort Deutschland als Industriestandort zu sichern und zu erhalten, wäre zu prüfen.
Hinweis: Gegenwärtig sind von Energiekonzernen weltweit ca.1.300 Kohlekraftwerke in Planung und hunderte davon befinden sich im Bau.
5. These: Zu welchen Anteil leitungsgebundener Energieträger bzw. Atomkraftwerke zur Elektroenergieversorgung benötigt werden ist neu zu bewerten und dementsprechende Anlagen zu errichten und/oder zu ertüchtigen.
Gegenwärtig ist keine langfristige Strategie zur sicheren Elektroenergieversorgung ersichtlich, wäre jedoch aus kaufmännischer Sicht erforderlich. Es besteht eher der Eindruck, dass entgegen marktwirtschaftlichen Prinzipien die Elektroenergieerzeugung und somit auch der Bau entsprechender Anlagen staatlich vorgeschrieben wird. Marktwirtschaft ade!
6. These: Es sind nur Energieträger zu nutzen, die der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dienen
Die politisch favorisierte Nutzung und Import von LNG – Gas aus allen Teilen der Welt als auch die dazu geschaffenen Aufbereitungsanlagen in Deutschland und Europa, setzen dem kaufmännischen Wahnsinn die Krone auf.
Nicht nur, dass die Gewinnung dieses Gases klimapolitisch nicht zu vertreten ist, sondern weil auch die Verflüssigung des Gases, der weite Transport und die erneute Vergasung zusätzliche Ressourcen verbrauchen und damit sich die Elektroenergiezeugung noch wesentlich zusätzlich verteuert.
Schlussbemerkung
Sollte Deutschland an dem derzeit eingeschlagenen Weg festhalten, wird die Deindustrialisierung noch schneller fortschreiten und Unternehmen werden das Weite suchen. Wenn die Säulen unseres Wohlstandes wegbrechen, wird sich das auch direkt und wesentlich auf unser aller Lebensstandard auswirken.
Die „Schenkungsfreude“ unserer Regierung in die ganze Welt wird dann nicht mehr möglich sein.
Schon gegenwärtig gehen diese finanziellen Schenkungen nur noch zu Lasten der Steuerzahler durch Reduzierung von Sozialausgaben, Leistungsreduzierung als auch höhere Abgaben im Gesundheitswesen und bei Renten. Dies betrifft auch die Unternehmen, die dazu ebenfalls mit zur Kasse gebeten werden. Diese Politik führt nicht nur dazu, dass das Solidarprinzip ad absurdum geführt wird, sondern führt auch dazu, dass die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft immer mehr abnimmt.
Leider wurden und werden die Bürger weder in Deutschland noch in der EU dazu befragt, ob das ihr Wille ist.
Nichtssagende Sprüche von Politikern helfen an dem geschilderten Zustand nichts. So können wir uns alle an den Spruch (Motivationssatz) von Angela Merkels zur Migration von 2015 erinnern:
– Wir schaffen das! –
Wie der Sachstand dazu heute, mehr als 10 Jahre später ist, kann jeder für sich selbst resümieren. Die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt!
Gera, 12.07.2026
Dr.-Ing. Ulrich Porst
